Krieg und Denkmalpflege

Deutschland und Frankreich im Zweiten Weltkrieg

23,5 x 16 cm, 288 Seiten, gebunden
88 schwarz-weiß, zwei farbige Abbildungen und eine Karte

978-3-935749-78-7
Preis:39,80 €

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»Denkmalpflege und Krieg« - Wohl kaum ein Wortpaar ist scheinbar so konträr wie dieses, dabei gibt es bis in die Gegenwart Beispiele, die den engen Zusammenhang zwischen Krieg und Denkmalpflege belegen. Die »Alte Brücke« von Mostar, die inzwischen nach ihre vorsätzlichen Vernichtung im Balkankrieg 1993 wieder aufgebaut ist, wird wie die 2001 von den Taliban zerstörten Buddha-Statuen im afghanischen Bamiyan-Tal immer Zeugnis dafür bleiben, dass zerstörte Denkmale in Kriegen nicht nur zu den Kollateralschäden gehören. Ohne diese im traurigen Sinn herausragenden Ereignisse würde den meisten Menschen wohl kaum die politische Dimension der Denkmale, ihres Schutzes und ihrer Pflege bewusst werden.

Die Geschichte von Denkmalschutz und Denkmalpflege ist immer mit kriegerischen Ereignissen und ihren Folgen verbunden gewesen. Waren schon die Anfänge des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege gleichermaßen eine Reaktion auf Verluste historischer Substanz wie eine bewusste Wahrnehmung der eigenen nationalen Geschichte und damit eine politische Aufgabe, wurde im Artikel 27 der 1899 abgeschlossenen Haager Landkriegsordnung deutlich, dass man sich zunehmend Gedanken um den Erhalt von wichtigen Bauten im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung machte. Es heißt dort: Bei Belagerungen und Beschießungen sollen alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, um die dem Gottesdienste, der Kunst, der Wissenschaft und der Wohltätigkeit gewidmeten Gebäude [...] so viel als möglich zu schonen, vorausgesetzt, dass sie nicht gleichzeitig zu einem militärischen Zwecke Verwendung finden. Pflicht der Belagerten ist es, diese Gebäude oder Sammelplätze mit besonderen sichtbaren Zeichen zu versehen und diese vorher dem Belagerer bekanntzugeben.

Die vor allem mit Georg Dehio verbundene Diskussion "Konservieren oder Restaurieren", die den Beginn der modernen Denkmalpflege markiert, entbrannte an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert um den Wiederaufbau des Heidelberger Schlosses, das 1689 und 1693 durch französische Truppen gebrandschatz und zerstört worden war und das viele nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 als besonderes »Denkmal deutscher Schmach« ansahen. Im Ersten Weltkrieg wurde dann die Zerstörung der Kathedrale von Reims zu einem internationalen Fanal. Schutz und Zerstörung von Denkmalen gehörte bald zum kriegerischen Alltag. Aber erst die nach den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1954 von 56 Staaten unterzeichnete Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten" definiert Bewegliches oder unbewegliches Gut, das für das kulturelle Erbe aller Völker von großer Bedeutung ist, wie z.B. Bau-, Kunst- oder geschichtliche Denkmäler religiöser oder weltlicher Art, archäologische Stätten, Gebäudegruppen, die als Ganzes von historischem oder künstlerischem Interesse sind, [...] als im Falle eines Krieges zu respektierendes Kulturgut, das bereits zu Friedenszeiten gesichert werden soll. Wie die oben angeführten Beispiele belegen, ist auch ein solches Abkommen ein nur bedingter Schutz.

Sandra Schlicht thematisiert in ihrer hier im Druck vorgelegten Dissertationsschrift wohl erstmals in umfassender Form "Denkmalpflege und Krieg" in einer wissenschaftlichen Abhandlung, dass sie in ihrer vergleichenden Studie Frankreich und Deutschland im Zweiten Weltkrieg behandelt und sich dabei gleichermaßen auf deutsche wie französische Quellen stützen kann, macht die Arbeit besonders interessant und gleichermaßen zu einem gewichtigen Beitrag der noch ausstehenden Gesamtdarstellungen der Geschichte der französischen wie der deutschen Denkmalpflege.