Neuerscheinung

Die Schleifmühle am Faulen See

300 Jahre Produktions- und Alltagsgeschichte am Rande des Schweriner Residenzensembles

16x23,50 cm, Hardcover, 240 Seiten, 100 Abbildungen, Register

978-3-944033-54-9
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Die Mühle am rauschenden Bach ist ein Symbol der Romantik. Sie verkörpert das Idyll einer vergangenen, scheinbar schöneren Welt. Ihr umlaufendes Rad erscheint wie das forteilende Leben und das Auf und Ab der Geschicke der Menschen. Mühlen waren Orte des Geheimnisvollen. In ihnen konnte es spuken und die Müller galten als Außenstehende, Zauberer oder zumindest als skurril. Auch die kleine Schweriner Wassermühle würde heute nicht mehr am äußersten Ende des Schlossgartens stehen, würde ihr Erscheinungsbild nicht seit langem bei den Vorübergehenden Entzücken und Faszination auslösen. Mehrmals stand die Mühle vor dem Ende ihrer Existenz – ihr drohte immer wieder der Abriss. Doch wie von Zauberhand stellten sich Situationen und Retter ein, die das Leben der Mühle erhielten. Bis heute.
Über dreihundert Jahre dreht sich nun das Rad dieser Mühle am Auslauf des Faulen Sees. Sie war Pulvermühle, Lohmühle, Graupen- und Kornmühle, Steinschleifmühle, Wollspinnerei, Lager, Wohnhaus und Museum. Von 1749 bis 1856 bestand ihre Aufgabe im Sägen, Schleifen und Polieren von Natursteinen, ihre prägendste und eindrucksvollste Periode, die ihr auch ihren heutigen Namen gab – Schleifmühle. Ihre Geschichte ist aber nicht nur die Geschichte ihrer selbst. Das Schicksal der Schleifmühle war bestimmt von den Ereignissen der Vergangenheit, die das Leben in der Stadt Schwerin und der Residenz prägten. Aufbauwillen des Herrscherhauses und seiner Nachfolger, technische Neuerungen und Ideen der Anwendung der Mühlentechnik, Persönlichkeitsprofile der Betreiber und nicht zuletzt zerstörende Elemente, wie Kriege, Überflutungen und Gleichgültigkeit, ließen die Schweriner Schleifmühle zu einem historisch äußerst interessanten Ort werden.
Als Bestandteil der Mecklenburg-Schweriner Fürstenresidenz gehört die Schweriner Schleifmühle zu den eindrucksvollsten Technikdenkmälern des Landes. Als Objekt Nr. 29 ist sie Bestandteil der Kernzone des Schweriner Residenzensembles und nimmt eine Position in Bezug auf den Antrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern der Aufnahme dieses Ensembles in das UNESCO-Weltkulturerbe ein. Im Juni 2014 wurde das Schweriner Residenzensemble durch einen Beschluss der Kulturministerkonferenz in die Tentativliste aufgenommen. Im Bestandteil des Ensembles nimmt die Schleifmühle eine besondere Position ein. Ihre Bedeutung besteht in der Tatsache, dass sie ein Ort des Wirtschaftens und kein Ort herrschaftlicher Repräsentanz war. Wir haben es quasi mit einem kleinen Motor zu tun, der den Glanz des Hofes erst möglich machte. Ein schmuckloser kleiner Fachwerkbau, seltsam verbaut mit sonderbaren architektonischen Elementen, zeugt von purer Funktionalität und historisch gewachsenen Formen. Das Leben und Wirken der Steinschleifer war auch kein sonderlich glänzendes – nur manchmal erlangten sie durch ihre Kunstfertigkeit überregionale Anerkennung. Die Betrachtung ihres Lebens stellt ein Stück mecklenburgische Alltagsgeschichte dar. Durch die administrative Nähe der Steinschleifer zum Herrscherhaus existieren viele handschriftliche Quellen, die ihr Handeln und manchmal auch ihr Denken dokumentieren.
Der Schweriner Hofgärtner Theodor Klett bemerkte 1854 treffend: »Die Schleifmühle hat für Mecklenburg einen geschichtlichen Werth, es sind aus ihr seit Jahrhunderten Kunstschätze hervorgegangen, die an vielen der höchsten Höfe Europas als Heiligthümer bewahrt worden. […] Gleicherweise ist die Mühle als solche eine Zierde des Schloßgartens, sie bringt Leben in die Landschaft.«